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GreenTalk-Podcast: Vom Krisenjournalismus zum nachhaltigen Modelabel

Homeoffice und selbstgewähltes Gehalt? Das nachhaltige Modelabel fitbuddha legt großen Wert auf faire Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern.

Senada Sokollu hat während ihrer Zeit als Auslandskorrespondentin in Krisengebieten wie der Grenze zwischen Irak und Syrien viel erlebt und gesehen. Auch in der Türkei war sie schon. Dort wollte sie eigentlich nur über die Geflüchteten berichten – diejenigen, die dem Krieg und der Gewalt entkommen sind. Doch dann kam alles ganz anders und am Ende gründete sie das nachhaltige Modelabel „fitbuddha“.

Ihr Aufenthalt in der Türkei hat sie nachhaltig geprägt. Sie hat geflüchtete Frauen aus Syrien und anderen Kriegsgebieten getroffen, die nicht nur ihre Ehemänner verloren haben, sondern auch ihre ganze Existenzgrundlage.

Aus diesen Bekanntschaften entwickelten sich Freundschaften und Sokollu beschloss, den Frauen aus der Armut zu helfen. Sie stellte ihnen Wolle, Stoffmuster und eine Nähmaschine zur Verfügung – gegen Bezahlung hatten die Frauen die Möglichkeit Kleidungsstücke zu nähen und zu stricken. Die Mode verschenkte Senada in Deutschland dann an ihre Freunde. Die überredeten sie schließlich: „Verkauf das doch!“

Senada Sokollu im Arabella Studio // Bild: Chantal Martin

Mittlerweile arbeiten acht Näherinnen für Senada Sokollu und ihr kleines Mode-Start Up „fitbuddha“. Der große Vorteil: Die Frauen arbeiten von zu Hause aus und nach eigenem Zeitplan. Das heißt, sie müssen sich nicht auf einen langen und oftmals beschwerlichen Fußmarsch zur nächsten Fabrik machen und können stattdessen nebenher noch ihre Kinder oder Enkel betreuen. Außerdem dürfen sie so oft und so lange Pause machen, wie sie wollen. Sie verdienen pro Pullover circa 30 Euro – dafür brauchen sie rund sechs Stunden. Die Frauen dürfen ihr Gehalt aber sogar selbst mitbestimmen und auch mal mehr Geld verlangen – zum Beispiel, wenn sie länger brauchen, die Arbeit besonders kompliziert war oder sie einfach gerade mehr Geld zum Leben benötigen.

Auch dieser Kamelhaar-Mantel wurde fair produziert // Bild: Chantal Martin

Das stehe ganz im Gegensatz zu den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in Fabriken auf der ganzen Welt, wo die Arbeiterinnen bis zu 70 Stunden die Woche arbeiten müssten – für nur 300 Euro im Monat, so Sokollu.

In Fabriken in Bangladesch und Indien sei sogar Missbrauch – auch gegen Kinder – keine Seltenheit, sagt die fitbuddah-Gründerin, die ihre Näherinnen alle paar Wochen besucht, um sicherzugehen, dass es allen gut geht.

Bei diesen Besuchen setzt sie sich mit den Frauen, die sie als ihre Freundinnen bezeichnet, bei einer Tasse Tee zusammen. Besonders berührt hätte sie die Geschichte einer Näherin, die durch ihr Gehalt die Chemotherapie ihres kranken Kindes bezahlen konnte. Eine andere wiederum konnte das Studium ihres Sohnes finanzieren.

„Am wichtigsten finde ich die fairen Arbeitsbedingungen“

Faire Arbeitsbedingungen sind am wichtigsten, sagt Sokollu, aber auch in anderen Bereichen, wie dem Umweltaspekt, sei fitbudda nachhaltig – von der Wolle über die Stoffe bis hin zur Verpackung.  Wie alte Holzhäuser zu Knöpfen und alte Teppiche zu Mänteln verarbeitet werden – das erzählt Senada Sokollu im Gespräch mit Arabella-Redakteurin Chantal Martin in der neuen Folge des Nachhaltigkeits-Podcasts GreenTalk.

Arabella-GreenTalk: Vom Krisenjournalismus  zum nachhaltigen Modelabel


18. Februar 2020, 00:00 CEST, Aufmacher-Bild: Chantal Martin, az