Wiesn 2017: Traditionell, digital – und teuer!

Traditionell, digital und mit starken Sicherheitsvorkehrungen startet am Samstag in München das Oktoberfest. Und: Die Wirte heben die Preise auf dem Oktoberfest kräftig an.

 «Ich freue mich auf eine schöne und friedliche Wiesn», sagte Festleiter Josef Schmid (CSU) am Donnerstag beim Rundgang über das Festgelände. Für die Sicherheit sei alles getan. «Ich glaube, dass wir alles Mögliche gemacht haben, was man im Vorfeld tun kann.» Er hoffe nun trotz der eher miesen Aussichten auf passables Wetter für den Anstich am Samstag.

Die Sicherheit ist erneut ein großes Thema. Besucher dürfen keine großen Taschen und Rucksäcke mitbringen. «Lasst die Taschen zuhause», mahnte Schmid. Bis zu 650 Ordner und damit nochmals bis zu 200 mehr als im Vorjahr werden an den Zugängen die Massen kontrollieren.

Über eine Lautsprecheranlage werden die Gäste auf Deutsch, Englisch und Bairisch begrüßt und bei einem Alarm mit Informationen und Anweisungen versorgt. Dabei gehe es keineswegs nur um einen Anschlag, sondern auch um Unwetter oder eine mögliche Überfüllung, hieß es.

Digital hat das Volksfest aufgerüstet: Eine App soll erstmals den Besucher zeigen, welche Zelte noch nicht voll sind – oder wo gerade Freunde feiern. Zudem können sie über eine App bezahlen.

Mehr Nostalgie vermitteln ein Photopalast anno 1900, der die Kunden in vergangene Zeiten zurückversetzt. Noch traditionsbewusster geht es auf der «Oiden Wiesn» mit ihren historischen Fahrgeschäften zu. Das Festzelt «Zur Schönheitskönigin» will die Wirtshauskultur der Volkssänger neu beleben. Neu sind auch eine fast hundert Jahre alte Kindereisenbahn und ein Karussell mit rosa Schweinderl und Kutschen.

Kurz vor dem Auftakt des Münchner Oktoberfests bestätigt eine volkswirtschaftliche Analyse das Gefühl vieler Besucher: Die alljährlichen Preissteigerungen auf der Wiesn liegen weit über der allgemeinen Teuerung. Wie Volkswirt Thomas Strobel von der italienischen Bank Unicredit ermittelt hat, steigen die Preise auf dem Oktoberfest diesmal um 3,1 Prozent – deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. Der Index wird gebildet aus den Preisen für zwei Maß Bier, ein halbes Hendl und eine Fahrkarte der Münchner Verkehrsgesellschaft. 2016 lag die Wiesen-Inflation noch höher bei 3,5 Prozent, wie die deutsche Unicredit-Tochter Hypovereinsbank am Donnerstag mitteilte.

Im Gegensatz zu den üblichen Preissteigerungen sei ein anderer Trend jedoch zuletzt unterbrochen worden: Es wird weniger getrunken. Der Pro-Kopf Bierkonsum stieg laut Unicredit-Analyse über drei Jahrzehnte von 1985 bis 2016 kontinuierlich von rund 0,9 Litern auf einen Spitzenwert von 1,3 Litern. 2016 aber waren es durchschnittlich nur noch 1,18 Liter pro Mann beziehungsweise Frau. «Es wird interessant sein zu sehen, ob die deutlichen Preissteigerungen eventuell einen nachhaltigen Effekt auf den Bierabsatz auf dem Oktoberfest haben», sagte Strobel.

Das 184. Oktoberfest beginnt am Samstag und dauert bis zum 3. Oktober.

14. September 2017, 14:14 CET, dpa-infocom; Foto: München Tourismus, Sigi Müller, uk