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Nach 83 Jahren Wiesn: Wirtefamilie gibt Bräurosl-Zelt ab

Auf der Theresienwiese wird heuer kein Oktoberfest stattfinden. Und im kommenden Jahr wird es auf der Wiesn Veränderungen geben: Bereits jetzt hat eine Wirtefamilie angekündigt, künftig nicht mehr auf dem Oktoberfest vertreten zu sein.

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Seit den 1930-er Jahren hat die Familie Heide das Hacker Pschorr Zelt Bräurosl auf der Wiesn geführt, inzwischen schon in der dritten und vierten Generation. Jetzt ist damit aber Schluss: Die Familie hat angekündigt, sich nicht mehr für die Wiesn 2021 um eine Zulassung zu bewerben.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir haben sie als Familie gemeinsam getroffen. Die Wiesn war unser Leben, wir haben dort viele schöne Dinge erlebt und sind dankbar dafür.“

Georg Heide

Schuld daran ist unter anderem auch die Coronakrise: Durch die Absage der Wiesn in diesem Jahr fehlen viele Einnahmen, viele Folgen der Krise sind auch nach wie vor nicht absehbar. Außerdem: Ob die Wiesn sicher stattfindet, wissen die Wirte auch immer nur im Mai, wenn es dazu eine offizielle Zusage der Stadt gibt – erst dann können sie sich auch gegen eine mögliche Absage des Festes versichern. Die Vorbereitungen starten aber schon viel früher und sind immer mit hohen Kosten verbunden. So war es zum Beispiel in diesem Jahr: Weil die Wiesn bereits im April abgesagt wurde, konnten sich die Wirte nicht absichern. Wenn es im nächsten Jahr dann erneut keine Wiesn geben sollte, würden die Wirte weitere Verluste machen. Außerdem können sich Heides in der derzeitigen Form der Auflagen in der Gastronomie einen vernünftigen Ablauf in einem Festzelt mit 6.500 Plätzen nicht vorstellen. Abschied von der alten Bräurosl hatten die Heides schon bei der vergangenen Wiesn genommen. Das Zelt hat seine Dienste getan und wird durch ein Neues ersetzt.

„Gedankenspiele über eine Neuausrichtung gibt es ja nicht erst seit wenigen Monaten. Wir haben uns das reiflich überlegt. So ein Schritt ist ja auch aufgrund der langen Familientradition nicht leicht. Schon unser Urgroßvater war auf dem Oktoberfest.“

Daniela Heide

Doch nicht nur Corona hat die Familie Heide zu ihrer Entscheidung bewogen: Ebenfalls seit den 30-er Jahren führt die Wirtefamilie ein Wirtshaus in Planegg, auf das sich die Tochter Daniela und deren Mann Pascal jetzt voll und ganz konzentrieren möchten. Ihr Vater, Georg Heide, gibt damit das Unternehmen komplett an seine Tochter ab und geht in den Ruhestand. Aus der ehemaligen Großgaststätte in Planegg soll ein gemütliches Kleinod für junge Familien im Würmtal werden, mit Biergarten und kleinem Wirtshaus. Wer also in Zukunft das Pschorr-Zelt bewirten wird, ist noch völlig offen – die Entscheidung darüber liegt bei der Stadt.

Eine Ära geht zu Ende

Die Oktoberfest-Tradition der Familie Heide reicht bis ins Jahr 1936 zurück als Urgroßvater Georg Heide die Bräurosl übernahm. Nur drei Jahre lang, denn dann kam der zweite Weltkrieg. Erst 1951 gab es wieder die Pschorr Bräurosl auf dem Oktoberfest. Schon fünf Jahre später folgte Wiesn-Legende Willy Heide, der später auch Sprecher der Wirte wurde (1984 – 2001) und anno 1985 das Platzkonzert vor der Bavaria initiierte. Renate und Georg Heide waren von 2002 bis 2012 alleinige Bräurosl-Wirte. Seit 2013 teilt sich die Familie Heide die Verantwortung. Auch Andreas Steinfatt von der Paulaner Brauerei zeigte sich geschockt über die Entscheidung der Familie: „Wir akzeptieren dennoch eure Entscheidung, ich bin sicher wir bleiben trotzdem gute Freunde. Ich wünsche euch viel Erfolg für euer Wirtshaus! Vielen Dank für die gemeinsamen Jahre.“


06. Juli 2020, 11:27 CEST, Aufmacher-Bild: Tobias Hase/Archiv, az