Schulz und Guttenberg betonen beim Bierzelt-Wahlkampf Unterschiede

Alle vier Jahre steht das kleine niederbayerische Abensberg im Zentrum der Bundespolitik. Wenn Wahlkampf ist, wird das Gillamoos-Volksfest zur Bühne für die Berliner Politik-Prominenz. Heuer warben die Parteien wenige Stunden nach dem Duell Merkel-Schulz für die Themen, die im TV zu kurz gekommen seien.

Bierzelt Wahlkampf

Knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl haben die Parteien wieder das niederbayerische Volksfest Gillamoos als große Wahlkampf-Arena genutzt. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hob am Montag bei dem Bierzelt-Redewettstreit in Abensberg die Ungleichheit in Deutschland hervor. Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rief die Unionsparteien unterdessen in einem benachbarten Zelt zu einem klareren Profil gegenüber der SPD auf.

Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte unter anderem das Festhalten am Verbrennungsmotor, während hingegen AfD-Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Engagement für die Autoindustrie verlangte. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner machte sich in seiner Rede für die Mittelschicht stark und sprach sich gegen ein festes Renteneintrittsalter aus.

Der Gillamoos ist einer der ältesten Jahrmärkte Niederbayerns, immer rund um das erste Septemberwochenende. Am Montag, dem letzten Tag des fünftägigen Festes, treten traditionell Spitzenpolitiker parallel in Bierzelten auf, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind.

Wahlkampf im Bierzelt

Schulz klagte nach dem einzigen TV-Duell mit Merkel am Sonntagabend, viele drängende Fragen seien in der Sendung gar nicht gestellt worden – etwa zu Bildung und Gerechtigkeit. Deutschland sei ein reiches Land, aber es seien «nicht alle Menschen in diesem Land reich», betonte Schulz und beklagte massive Einkommensunterschiede in der Republik. «Das spaltet das Land.» Er kündigte an, als Kanzler in den ersten 100 Tagen dafür zu sorgen, dass alles unternommen werde, um die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen zu beenden.

Guttenberg mahnte unterdessen mehr Unterschiede zwischen den Berliner Regierungsparteien an: «Wir müssen darauf achten, dass die Menschen verstehen, wofür eine bürgerliche und konservative Politik steht.» Während der ersten Stunde des Fernsehduells habe er gedacht, «wir müssen aufpassen, dass sich die beiden nicht plötzlich umarmen» und die Fusion von zwei großen Volksparteien verkünden. Der Umgang von SPD und CDU zeige, wie wichtig die CSU für die Union sei. «Es war und ist unsere Aufgabe, die Dinge beim Namen zu nennen», betonte er.

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Foto: Sven Hoppe/Archiv

Der Dieselskandal war bei mehreren der Veranstaltungen in Abensberg ein Thema. Grünen-Spitzenmann Özdemir forderte: «Der nächste deutsche Verkehrsminister darf sich nicht vier Jahre lang mit einer Maut beschäftigen.» Er bezeichnete Amtsinhaber Alexander Dobrindt (CSU) als «unfähig» und kritisierte die Verkehrspolitik der großen Koalition. «Der Verbrennungsmotor war mal eine coole Erfindung, um die Kutsche abzulösen.» Jetzt sei es an der Zeit, das nächste große Ding auf die Straßen zu bringen.

FDP-Chef Lindner fand, dass beim TV-Duell die Mittelschicht im Land zu kurz gekommen sei. Es sei viel um Flüchtlinge und Manager gegangen. «Um diese zwei Pole.» Es gebe dazwischen jedoch Millionen Menschen, die nicht bedürftig, aber auch nicht aus dem Gröbsten raus seien. «Diese Menschen haben sich gestern Abend doch gefragt: Wo war eigentlich ich?»

Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, warf Merkel vor, das Land an die Wand zu fahren. «CSU und SPD tragen die Amokfahrt mit», sagte er. Aiwanger sprach sich gegen einen Familiennachzug von Flüchtlingen aus. Die jungen Männer müssten heimgehen, um ihre Länder wieder aufzubauen, meinte der FW-Chef.

Bei der AfD, die neben dem Volksfestgelände im Abensberger Schlossgarten ihre Anhänger versammelte,  war die Zuwanderungspolitik das zentrale Thema. «Diese ganze Merkel-Regierung hat uns offensichtlich totales Migrationschaos und innere Unsicherheit wie noch nie beschert», sagte Bundessprecher Jörg Meuthen. Vorstandsmitglied Storch sagte, eine AfD-Regierung würde keinen Flüchtling mehr ohne Papiere ins Land lassen. «Ohne Pass kommt hier keiner rein, denn, wie wir wissen, ohne Pass kommt ja auch keiner mehr raus.»


04. September 2017, 14:13 CEST, dpa-infocom, ms