
Platz zwei gefestigt: Ist der «Club» jetzt ein Spitzenteam?
Miroslav Klose wehrte sich beharrlich. Nein, auch nach dem 2:0 über Darmstadt und der Festigung von Platz zwei wollte der Trainer nicht darüber reden, ob sein 1. FC Nürnberg nun ein Spitzenteam sei - von einem Aufstiegsanwärter in die Fußball-Bundesliga ganz zu schweigen. «Das werden Sie bei mir nicht hören», sagte der Ex-Profi vor Journalisten.
Offensiv-Antreiber Julian Justvan wurde da etwas deutlicher. «Klar, wir wollen oben mitspielen, wir wollen oben bleiben, definitiv», meinte er. «Ob wir jetzt direkt vom Aufstieg sprechen, ist - glaube ich - immer gefährlich. Aber letztendlich ist die Situation, so wie sie ist, top. Und genauso soll es bleiben.»
Das fränkische Zwischenfazit nach einem Saisondrittel der 2. Liga kann sich sehen lassen: Der «Club» geht nach elf Spielen mit 24 Punkten und auf Rang zwei in die Länderspielpause geht. Der Rückstand auf den überragenden Spitzenreiter Hertha BSC beträgt sieben Zähler; auf die drittplatzierten Kaiserslauterer hat der FCN drei Punkte Vorsprung.
Was sind die Gründe für den Nürnberg-Höhenflug?
Mentale Stärke
In einem zähen Spiel gegen Darmstadt ging der FCN nach der Pause in Führung, hatte dann aber einen Durchhänger. Früher wäre in solchen Momenten der Ausgleich gefallen - nun aber machten die Franken kurz vor Schluss alles klar. Coach Klose führt das darauf zurück, «dass wir einen gewissen Glauben in der Mannschaft haben und eine gewisse Festigkeit. Das hat alles mit Positivität zu tun.» Seit seiner Ankunft im Sommer 2024 werde darin «viel investiert, auch in Gesprächen», erinnerte Klose. Beim «Club» sahen viele früher das Glas halb leer. «Das müssen wir ändern. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.»
Offensivpower
Dabei hilft natürlich sehr, dass sich die Nürnberger auf ihre Stürmer verlassen können. Piet Scobel brach mit dem Führungstor (50. Minute) den Bann und steht schon bei sechs Saisontreffern. Der 21-Jährige ist auch deswegen aktuell extrem wichtig, weil Toptorjäger Mohamed Ali Zoma verletzt fehlt. Dabei tat sich Scobel am Samstag lange schwer und stand vor der Auswechslung. «Aber Piet ist Piet», sagte Klose. «Den musst du drauf lassen, weil ihm eine Aktion reicht.» Außerdem war William Bøving (88.) per Kopfball-Abstauber erfolgreich. «Wir haben Tore im Fuß», meinte Klose - und der muss es als Ex-Weltklasse-Stürmer und früherer WM-Torschützenkönig wissen. Mit 26 Toren stellen die Nürnberger - zusammen mit Wolfsburg - die beste Offensivabteilung der Liga.
Ausgeglichener Kader
Nürnberg kann auf seinen Kader und auch die Einwechselspieler vertrauen. Neben Zoma fiel gegen Darmstadt auch Innenverteidiger Fynn Otto aus - Styopa Mkrtchyan ersetzte diesen aber beim Startelfdebüt makellos. Zudem musste Zoma-Ersatz Rafael Lubach angeschlagen raus - für den Flügelspieler kam Rayan Ghrieb und bereitete kurz vor Schluss das 2:0 mit einem Solo vor. «Jeder Spieler, auch der, der von der Bank kommt, muss die Verantwortung haben, um zu wissen, was unser Spiel ist», unterstrich Justvan. «Und das ist, glaube ich, das Wichtigste, weil die Qualität sitzt auf der Bank.» Dass Torhüter Jan Reichert in der kurzen Schwächephase in der zweiten Halbzeit gleich mehrmals mit starken Paraden zur Stelle war, das schadete freilich auch nicht.
Hunger und Sehnsucht
Nach zwei holprigen Spielzeiten ist in Nürnberg die Sehnsucht zu spüren, endlich um den Aufstieg mitzuspielen. «Jeder im Team denkt so», schilderte Justvan, «dass wenn du einmal da oben mit dabei bist, dass du da auch bleiben willst». Dem stimmte Coach Klose zu: «Es ist ja nicht so, dass wir uns jetzt in den Liegestuhl legen und sagen, es ist vorbei, es läuft super. Da macht man die größten Fehler. Deswegen bin ich da sehr wachsam.»
Quelle: dpa
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