
Brand in den Chiemgauer Alpen fordert Einsatzkräfte
Das Knattern der Hubschrauber dröhnt unablässig, dichter Rauch zieht herab ins Tal: In den Chiemgauer Alpen hat ein Bergwald Feuer gefangen. Mit Hubschraubern und Sprinkleranlagen kämpfen mehr als 200 Einsatzkräfte gegen die Flammen in dem unwegsamen Gelände im Gipfelbereich der Hochwand nahe der Lackenbergwand bei Unterwössen (Landkreis Traunstein).
Wegen der starken Rauchentwicklung wurde am Morgen die Bevölkerung in der Gegend gewarnt. «Da werden die Menschen gebeten, die Fenster und Türen geschlossen zu halten, die Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten und den Bereich um den Einsatzort zu meiden», sagte ein Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. Aufgrund der Löscharbeiten ist derzeit auch die Bundesstraße 305 sowohl in Richtung Reit im Winkl als auch in Richtung Marquartstein gesperrt.
Ausmaß noch unklar
Bereits bei der Alarmierung am Mittwochabend war eine deutliche Rauchsäule im Gipfelbereich auf knapp 1.000 Metern Seehöhe zu sehen. Doch wie groß das Ausmaß des Brandes ist, war auch am Donnerstagmittag noch unklar. «Die Vegetationsbrandbekämpfung im Bergwald ist sehr schwierig», erläuterte der Feuerwehrsprecher. «Das ist nicht wie ein Feld zu sehen, das 100 Meter lang und 60 Meter breit ist und dann habe ich 6000 Quadratmeter. Da geht es nach oben und unten, nach hinten und vorne.»
Deshalb sind Drohen im Einsatz: Mit Wärmebildtechnik versuchen die Einsatzkräfte systematisch zu erfassen, wie viele Wärmequellen am Berg vorhanden sind. Die Einsätze der Drohnen müssten aber mit den Flügen der Hubschrauber koordiniert werden, schilderte der Fachmann eine weitere Schwierigkeit. Auch eine Aussage zur Brandursache war zunächst nicht möglich. Nach aktuellem Stand wurde jedoch niemand verletzt.
Erinnerungen an Brand am Saurüsselkopf werden wach
Grundsätzlich seien die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Brandes ähnlich gewesen wie bei dem Feuer am nicht weit entfernten Saurüsselkopf nahe Ruhpolding im Mai, sagte der Feuerwehrsprecher. Der Brand dort hatte sich im Anschluss ausgebreitet und war extrem schwer zu bekämpfen gewesen. Erst nach einem Monat wurde der Einsatz endgültig für beendet erklärt.
Auch beim aktuellen Brand an der Hochwand hat sich das Feuer in der ersten Nacht Richtung Tal ausgeweitet. «Man hat gestern Abend und in den Nachtstunden begonnen, lange Schlauchstrecken aufzubauen und alle paar Meter sogenannte Kreisregner aufzubauen», schilderte der Feuerwehrsprecher. «Das kann man sich vorstellen wie einen großen Gartensprinkler. Damit wird der Bereich, der nicht vom Brand betroffen ist, bewässert, um eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern.»
Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen
Dazu wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet. Auch drei Löschhubschrauber waren sowohl am Mittwochabend als auch am Donnerstag im Einsatz. Weil es kein größeres Gewässer in unmittelbarer Nähe gibt, befüllt die Feuerwehr die Behälter in Minutenschnelle mit Hilfe von Schläuchen, während die Hubschrauber über einem Feld im Tal in der Luft stehen.
«An den Ursprungsbrand kommt man nicht mit Fahrzeugen hin», schilderte der Feuerwehrsprecher. Eine unmittelbare Brandbekämpfung im Gipfelbereich des Berges mit bodengebundenen Kräften sei zunächst nicht möglich gewesen. Im Einsatz sind rund 200 Mitglieder der Feuerwehren, der Bergwacht, des Rettungsdienstes und der Polizei.
Deren Engagement gibt den Anwohnern ein gutes Gefühl. «Es ist ganz schön schockierend, muss ich sagen. Weil mit sowas rechnet man natürlich nicht, dass sowas irgendwann mal vorkommen kann», sagte eine Bürgerin. «Aber die Kräfte vor Ort sind super. Direkt Angst werden wir nicht haben brauchen, weil die wirklich tüchtig sind und ihre Arbeit gut machen.»
Quelle: dpa
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