16.01.2017

BAU 2017: Neue Anti-Einbruch-Produkte

Fühlen Sie sich in den eigenen vier Wänden sicher?

Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik des Bundesinnenministeriums ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. 167.000 Haushalte wurden 2015 zu Opfern – ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Betroffen sind Großstädte und Ballungszentren ebenso wie Kleinstädte oder Dörfer. Rund drei Minuten hält eine normale Tür einem Einbrecher stand. Ungesicherte Fenster kann man mit einem normalen Schraubenzieher sogar in Sekunden aufhebeln. Neben der Kellerabschlusstür sind Terrassentüren die am häufigsten von Einbrechern genutzten Eingänge.

Es gibt aber eine gute Nachricht: Laut Kriminalstatistik 2015 ist längst nicht jeder Einbruch erfolgreich. Rund 43 Prozent der Taten scheitern mittlerweile an vorbeugenden Sicherheitsmaßnahmen. Viele Einbrecher sind keine Profis und falls sie auf Hindernisse stoßen, wie z.B. gut gesicherte Fenster und Türen, Alarmanlagen oder andere Sicherheitslösungen, brechen sie den Einbruch in der Regel ab oder versuchen ihn erst gar nicht. Aktive Vorsorge ist deshalb wichtiger als je zuvor. Die richtige Einbruchhemmung funktioniert am besten als Sicherheitskette vom Mauerwerk über Beschläge bis zum stabileren Glas in Fenster und Türen. Im Idealfall planen Bauherren und Architekten daher Sicherheitslösungen gleich beim Bau mit ein.

Smart Home und Smart Buildings gehören zu den wichtigsten Themen auf der BAU 2017. Zentraler Aspekt hierbei die Sicherheit. Die Aussteller der BAU zeigen die gesamte Palette für ein sicheres Zuhause – von der Smart Home Anlage, die alles vernetzt und digital steuert bis hin zum alarmgesicherten Fenstergriff. Gut zu wissen: Das Aufrüsten kann man sich sogar fördern lassen. Wer Maßnahmen zum Einbruchschutz an einem bestehenden Wohngebäude oder einer Eigentumswohnung durchführen lässt, erhält je nach Höhe der Investitionskosten Zuschüsse von mindestens 200 Euro bis maximal 1.500 Euro.

Das sind die neuesten Anti-Einbruch-Produkte auf der BAU 2017:

Gretsch-Unitas


Rundum-Sorglos-Paket für die Haustür. Bildnachweis: Gretsch-Unitas

Mit geprüften und zertifizierten Produkten der GU-Gruppe ist die Nachrüstung von Fenstern und Türen „gesichert“. Bildnachweis: Gretsch-Unitas

 

HOPPE


HOPPE-Außentürbeschläge mit integriertem Fingerscanner bieten eine besonders komfortable Art der schlüssellosen Zutrittskontrolle. Bildnachweis: HOPPE

 

ECO Schulte


Der Alarmfenstergriff ECO ALERT von ECO Schulte löst bei Erschütterungen einen akustischen Alarm aus und vertreibt Einbrecher. Ein zusätzlicher Feuchtesensor warnt bei zu hoher Luftfeuchtigkeit. Bildnachweis: ECO Schulte

 

HÖRMANN


Die ThermoCarbon Haustür ist serienmäßig mit einem 9-fach Sicherheitsschloss und praktisch aushebelsicheren, verdeckt liegenden Bändern, ausgestattet. Als bislang erste Haustür auf dem Markt wird diese bis zu einer RC 4 Ausstattung angeboten. Bildnachweis: Hörmann

 

SOMFY GmbH


Einfacher geht es nicht: TaHoma Serenity kommt komplett ohne Steuerleitungen aus. Bildnachweis: SOMFY GmbH

Sobald die IP-Kameras einen Eindringling erfassen, startet eine einminütige Video-Aufnahme in HD-Bildqualität und die Bewohner werden alarmiert. Bildnachweis: SOMFY GmbH

 

GEZE GmbH


Die neuen Hakenverriegelungen Lock A für automatische Schiebetüren.Bildnachweis: GEZE GmbH

Über das BACnet-Schnittstellenmodul IO 420 lassen sich Türsysteme in die Gebäudeleittechnik integrieren.Bildnachweis: GEZE GmbH

 

MACO


Bevor neue MACO-Sicherheitslösungen auf den Markt kommen, werden diese auf Herz und Nieren geprüft. Bildnachweis: MACO

Das selbsthemmende Getriebe mit i.S.-Sicherheitszapfen und nicht verschiebbarem Riegel hält einer Kraftweinwirkung von 300 kg stand. Bei Krafteinwirkung ohne Selbsthemmung dreht der Griff auf. Bildnachweis: MACO

 

Zum Thema Einbruchsicherheit hat die BAU ein Interview geführt mit Wolfgang Trespe, Kriminalhauptkommissar, Bayerisches Landeskriminalamt, Sachgebiet Prävention:

Bei Nacht und Nebel und vor allem in den Ferien einbrechen, stimmt die Vorstellung?

Einbrüche finden besonders in der „dunklen“ Jahreszeit von November bis März statt. Aufgrund der früh einsetzenden Dämmerung können Einbrecher ihrer Tätigkeit meist ungestört nachgehen, da die Bewohner oftmals noch nicht zu Hause sind. Eine deutliche Belastung ist aber auch in den Sommerurlaubsmonaten zu verzeichnen, Wohnungen bzw. Häuser sind in dieser Zeit häufig unbewohnt.

 

Welche Stellen in Haus oder Wohnung sind besonders gefährdet?

In den meisten Fällen dringen Täter über leicht erreichbare Fenster und Terrassentüren des Erdgeschoßes in Wohnungen und Häuser ein. Die ebenerdige Lage sowie eine oftmals schlechte Einsehbarkeit durch Gartenbepflanzung machen diesen Bereich des Hauses für Täter besonders attraktiv.

In Mehrfamilienhäusern wird neben dem Erdgeschoß auch über die durch das Treppenhaus erreichbaren Wohnungseingangstüren eingedrungen. Die betroffenen Wohnungen liegen häufig in den oberen Stockwerken.

  

Ist es ausreichend, wenn in einem Mietshaus die Eingangstür gesichert ist?

Da bei größeren Wohnanlagen erfahrungsgemäß nicht alle Bewohner gleichermaßen sicherheitsbewusst handeln und auch unbekannte Besucher mitgenommen werden bzw. auf ein Klingeln auch unüberlegt der elektrische Türöffner bedient wird, beginnt im Mehrfamilienhaus die eigene Sicherheit mit der Wohnungsabschlusstür. Diese sollte (falls erforderlich) am besten ersetzt werden durch eine geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Tür (gemäß DIN EN 1627 ab der Widerstandsklasse RC 2) oder durch eine Fachfirma nachgerüstet werden.

Daneben ist eine Sicherung der Erdgeschoßfester aber zusätzlich erforderlich (s.o.).Wichtig vor einer sicherungstechnischen Nachrüstung muss die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden! Ergänzender Tipp: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert die Nachrüstung bzw. den Türentausch. Infos hierzu finden sich auf der Internetseite der KfW. 

 

Wie oft werden Einbrüche aufgeklärt oder verhindert?

Die Aufklärungsquote beträgt im Deliktsbereich der Wohnungseinbruchskriminalität bundesweit 15,2 % – Bayern 15,9 % (2015). Deutlich höher liegt allerdings die Zahl der aufgrund von Sicherheitstechnik, richtigem Verhalten und Nachbarschaftshilfe verhinderten Einbrüche. In Bayern blieben so im Jahr 2015 46% aller Einbrüche bereits im Versuch stecken.

Wie kann man sich schützen? Macht es Sinn das Licht anzulassen oder ein Schild „Bissiger Hund“ am Gartenzaun anzubringen?

Um sich Zugang zum Objekt zu verschaffen, reichen den Einbrechern zumeist einfache Werkzeuge wie Schraubendreher. Mit diesem werden Türen und Fenster in kürzester Zeit aufgehebelt. Einen wirksamen Einbruchschutz erreicht man durch ein aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken von mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik und richtigem Verhalten. Wichtig und daher nicht zu unterschätzen ist zudem die Aufmerksamkeit von Zeugen und Nachbarn. Mechanische Sicherungen sollten allerdings immer an erster Stelle stehen, da sie als Barriere wirken und dem Einbrecher Zeit abverlangen. Einbruchmeldeanlagen bieten einen zusätzlichen Schutz.

Bei Neu- und Umbauten erhält man einen guten Einbruchschutz durch den Einbau einbruchhemmender Türen und Fenster. Aber auch durch eine Nachrüstung kann der Einbruchschutz deutlich verbessert werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Einbau fachgerecht erfolgt und nur geprüfte und zertifizierte Elemente Verwendung finden. Hierzu bieten die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen kostenlose Tipps sowie Adressen von Herstellern einbruchhemmender Produkte und Errichtern, die eine fachgerechte Montage durchführen.

Aber auch einfache Verhaltensmaßnahmen können das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren, z.B.

  1. Verschluss aller Türen und Fenster auch bei kurzen Abwesenheitszeiten (ein gekipptes Fenster ist ein „offenes“ Fenster)
  2. Hausschlüssel nicht außerhalb des Hauses verstecken
  3. bei Schlüsselverlust Austausch des Schließzylinders
  4. auf Fremde in der Wohnanlage bzw. Nachbargrundstück achten
  5. Hinweise auf Abwesenheit vermeiden

Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend. Deshalb sollten einbruchgefährdete Bereiche ausreichend beleuchtet sein. Allerdings ersetzt eine Beleuchtung in keinem Fall die technischen Sicherungen. Ob ein Schild mit Hinweis auf einen Hund Einbrecher zuverlässig abschreckt, darf bezweifelt werden.

Wie sieht insgesamt die Einbruchsentwicklung aus? Ist die Tendenz weiter steigend oder eher rückläufig?

Seit 2009 ist bundesweit ein stetiger Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Zuletzt wurde im Jahr 2015 eine Steigerung von 9,9 % festgestellt. Da die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 noch nicht veröffentlicht wurde, kann über eine Tendenz derzeit noch keine Auskunft gegeben werden.

 

Über die BAU

Die BAU, Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme, ist die größte und bedeutendste Veranstaltung der Branche. Die Messe findet vom 16. bis 21. Januar 2017 auf dem Gelände der Messe München statt. Erwartet werden rund 2.000 Aussteller aus über 40 Ländern sowie etwa 250.000 Besucher aus aller Welt.

Auf rund 185.000 m² Fläche – das Gelände ist seit Jahren komplett ausgebucht – präsentiert die BAU Architektur, Materialien und Systeme für den Wirtschafts-, Wohnungs- und Innenausbau im Neubau und im Bestand. Sie führt, weltweit einmalig, alle zwei Jahre die Marktführer der Branche zu dieser Gewerke übergreifenden Leistungsschau zusammen.

Mit mehr als 60.000 Planern ist die BAU zugleich die weltgrößte Fachmesse für Architekten und Ingenieure. Das Angebot ist nach Baustoffen sowie nach Produkt- und Themenbereichen gegliedert.

Die zahlreichen attraktiven Veranstaltungen des Rahmenprogramms, darunter hochkarätige Foren mit Experten aus aller Welt, runden das Messeangebot ab.


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