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Berühmter Kinderbuchautor 27.05.2026

James Krüss – Vom Hummerfischerenkel zum Jugendbuchstar

«Haltet die Uhren an. Vergesst die Zeit. Ich will euch Geschichten erzählen». So schreibt es James Krüss (1926-1997), der wohl bekannteste Helgoländer, in seinem Werk «Sommer auf den Hummerklippen». Und Geschichten hat der Schriftsteller, der auch viele Jahre in München lebte und am 31. Mai 100 Jahre alt geworden wäre, viele zu erzählen gehabt. Er verfasste Gedichte, Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke. Überwiegend für Kinder und Jugendliche, aber nicht nur. 

Zu seinen bekanntesten Werken gehören «Timm Thaler oder das verkaufte Lachen» und «Mein Urgroßvater und ich». Für sein Gesamtwerk erhielt er 1968 den Hans-Christian-Andersen-Preis, die höchste Auszeichnung in der Kinder- und Jugendliteratur. Seine Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 

Inselthemen ziehen sich durch sein Werk

«Mein persönlicher Liebling ist "Mein Urgroßvater und ich"», sagte die Direktorin des Museum Helgoland, Simone Arnhold – «weil die Geschichte so vielfältig ist». Was sie fasziniere, ist, «dass das Inselthema in seinem Werk so eine unglaubliche Bedeutung hat.» Die Insel als Ort für Geschichte, dieser Heimatgedanke, der sich durch Krüss' Werk ziehe, obwohl er bereits als Jugendlicher die Insel verlassen und an vielen Orten gelebt habe. «Aber gerade Helgoland war für ihn so eine Art geistige Heimat», sagt sie.

Auch Ulrike Schuldes, die von der Erbengemeinschaft eingesetzte Verwalterin des literarischen Nachlasses, betont, «die Insel, das Inselleben hat ihn sehr geprägt». So sei gerade «Mein Urgroßvater und ich» sehr stark autobiografisch. Krüss beschreibe darin seine Kindheit, seine Großeltern, seine Insel. 

Enkel eines Hummerfischers 

Geboren wurde Krüss am 31. Mai 1926 als erstes Kind von Ludwig Krüss und seiner Frau Margareta, der Tochter eines Hummerfischers. Auch sein Urgroßvater war Hummerfischer. 

Seine Kindheit und Jugend verbrachte er mit Schwimmen in der Nordsee, dem Fischen von Heringen und Hummern sowie, eher untypisch vielleicht, mit dem Schreiben von Gedichten auf Halunder – dem Helgoländer Friesisch. Deutsch lernte er erst in der Schule. Als Jugendlicher verließ Krüss Helgoland und kam nur noch zu Besuchen zurück.

Er studierte in Lunden, Ratzeburg, Braunschweig. Sein Lehrerexamen machte er in Lüneburg. Lehrer wurde er jedoch nicht. Stattdessen gab er das Mitteilungsblatt «Helgoland» heraus: Die Zeitung sollte die über das ganze Land zerstreute Inselbevölkerung zusammenhalten, ehe sie ab 1954 wieder nach Helgoland zurückkehren konnten. «Das Inselthema ist ein wichtiges in seinem Werk.»

Und Freund Erich Kästners

Dennoch zog Krüss selbst 1949 nach München. Er freundete sich mit Erich Kästner an. Er schrieb Bücher, nicht nur für Kinder, sowie Hörspiele. Zusammen mit Udo Jürgens machte er Fernsehsendungen. Der gesamte Nachlass des Autors befindet sich in der Internationalen Jugendbibliothek.

Sie glaube, Krüss sei ein großer Menschenfreund gewesen, sagte Schuldes. Sie kenne seine Familie mittlerweile recht gut, Neffen und Nichten, eine Schwägerin. Die erzählten alle mit so einer Herzlichkeit, da könne man sich gar nicht vorstellen, dass es anders gewesen sein könnte.

1966 zog Krüss mit seinem Lebensgefährten nach Gran Canaria. Dort starb er am 2. August 1997. Bestattet wurde er auf See – vor Helgoland.

Feste auf Helgoland und in München

Gefeiert wird sein Geburtstag auf Helgoland mit einem großen Fest und einer «James-Krüss-Meile» für Familien quer über die Insel, vom Fähranleger bis zum Museum. «James Krüss als Helgoländer muss auch unbedingt bei uns auf der Insel gewürdigt werden», findet Arnhold. Im Hof des Museums wird in zwei nachgebauten «Hummerbuden» und überdimensionierten Büchern an den Dichter erinnert. 

Jedes Jahr findet anlässlich des Geburtstags ein Kinderfest auf der Insel statt, in diesem Jahr wurde es ausgeweitet. Verlage sind präsent und stellen Neuauflagen von Krüss' Werk vor, eine Kinderoperversion von «Der Leuchtturm auf den Hummerklippen» wird auf Plattdeutsch aufgeführt, es gibt Mitmachaktionen und vieles mehr. 

Damit das Fest auch wirklich quasi bis zur letzten Minute miterlebt werden kann, fahren die Schiffe an diesem Tag später als üblich zurück aufs Festland. Ähnlich machen es die Buchläden «Önnerbansken», die ihre Öffnungszeiten verlängern. 

Auch in München wird der Geburtstag gefeiert. So eröffnet die Internationale Jugendbibliothek am 31. Mai den renovierten Krüss-Turm und feiert mit einem großen Familienfest im Schlosshof. Anfang Juli beschäftigt sich eine Fachtagung dort mit dem Gesamtwerk von Krüss. Auch in anderen Städten bundesweit sind rund um den 100. Geburtstag Veranstaltungen und Lesungen angekündigt.

Quelle: dpa

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