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Bild: Bundespolizei
01.09.2020

Jugendliche im Gleis legen Bahnverkehr in München lahm

Gegen 18:30 Uhr wurde die Bundespolizei darüber informiert, dass sich mehrere Personen im Gleisbereich der Bahnstrecke am Südring (Ostbahnhof – Hauptbahnhof, Höhe Bahnkilometer 8,4) befinden würden. Der Lokführer eines RailJets hatte die Jugendlichen im Nachbargleis erkannt und zusammen mit einem Achtungspfiff eine Schnellbremsung eingeleitet. Er kam mit dem RJ84 aus Bologna und fuhr Richtung München. Rund 800 m hinter der Stelle, an der sich die Jugendlichen befanden, kam das tonnenschwere Gefährt zum Stehen.

Mehrere Streifen von Landes- und Bundespolizei sowie Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr München rückten an, da nicht klar war, ob Personen vom Zug über- oder angefahren worden waren. Beamte der Landespolizei konnten wenig später zwei der Jugendlichen, eine 15- und eine 16-Jährige aus der Au bzw. aus Ramersdorf, aufgreifen. Sie gaben an, ihre beiden Begleiter seien bei Eintreffen der Sicherheitskräfte weggelaufen. Wenig später konnten der 15- und der 16-Jährige aus der Au bzw. Schwabing am Handy erreicht werden und kamen zu den Einsatzkräften.

Jugendliche wollten Abkürzung nehmen

Die Jugendlichen schilderten in den ersten Befragungen, dass sie „nur“ eine Abkürzung über die Gleise nehmen wollten. Diese sollte vom Ostfriedhof über den Gleisbereich zum Tassiloplatz führen. Da bei der Erstmeldung unklar war, ob sich noch weitere Personen im Gleisbereich aufhalten, wurde die, bereits nach Eingang der Meldung gesperrte Strecke, auf rund 800 m durch Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr abgesucht.


Bild: Bundespolizei

 

Eine 43-jährige Anwohnerin, die von ihrer Wohnung aus einen sehr guten Einblick auf die Gleise hat, hörte den Achtungspfiff und sah den Railjet vorbeifahren. Geistesgegenwärtig fertigte sie dieses Foto der vier Jugendlichen im Gleis und stellte es der Bundespolizei zur Verfügung. Das Foto zeigt die „Leichtfertigkeit“ mit der einer der Jugendlichen – sich der Lebensgefahr, in der er sie sich befindet, nicht bewusst – auf dem Schienenstrang balanciert.

Keiner der fast 300 Bahnreisenden im Railjet wurde durch die Schnellbremsung verletzt. Bei der Befragung des Lokführers stellte sich heraus, dass dieser „aus Angst einen der Jugendlichen an- oder überfahren zu haben“, eine manuelle Schnellbremsung eingeleitet hatte. Gegen 19:45 Uhr konnte die Bahnstrecke wieder frei gegeben werden.

Leichtsinn könnte teuer werden

Die vier Jugendlichen wurden zum Revier der Bundespolizei am Ostbahnhof verbracht. Es konnten alle Erziehungsberechtigten erreicht werden. Jeweils mindestens ein Elternteil erschien zwischen 19:50 und 20:30 Uhr auf dem Bundespolizeirevier München-Ost. Da sich der Anfangsverdacht des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr durch die Schnellbremsung erhärtet hatte, wurden alle Jugendlichen, zugleich Beschuldigte im Strafverfahren, im Beisein der Erziehungsberechtigten belehrt. Sie werden von Beamten der Kriminalprävention eigens noch zu Gesprächen über Gefahren im Bahnverkehr zur Bundespolizei eingeladen.

Neben den strafrechtlichen Ermittlungen können auf die vier bzw. deren Erziehungsberechtigte auch Kosten für den Einsatz der Bundespolizei bzw. privatrechtliche Forderungen der Deutschen Bahn AG hinzukommen.

Folge: Viele Zugverspätungen

Alle vier Jugendlichen kooperierten mit den Sicherheitskräften und haben polizeilichen Maßnahmen Folge geleistet. Sie wirkten von der Situation eingeschüchtert.

Durch den Vorfall kam es zu erheblichen betrieblichen Auswirkungen im Bahnverkehr. 21 Züge/S-Bahnen erhielten insgesamt 732 Verspätungsminuten. Ein Zug musste umgeleitet werden. Der RJ84 und dessen Reisende konnten erst nach rund 85 Minuten ihre Fahrt zum Hauptbahnhof fortsetzen.

Die Münchner Bundespolizei warnt vor dem lebensgefährlichen Betreten von Bahnanlagen, insbesondere auch der Gleise. „Kurz ein Selfie“ oder „schnell abkürzen“ oder einfach – wie im aktuellen Fall „mal so auf den Schienen balancieren“, kann das Leben kosten. Von den Folgen für Freunde, Bekannte und Verwandte ganz zu schweigen.

Bundespolizei

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