01.06.2014, 08:00 Uhr
Sie sitzt im Gefängnis nicht etwa, weil Sie jemanden umgebracht hat oder ein anderes schweres Verbrechen begangen hat. Die Anklage lautet Abfall vom Islam und Ehebruch. Und darauf steht im Sudan die Todesstrafe.
Die 27-jährige Ärztin Meriam Yahia Ibrahim ist Tochter eines muslimischen Sudanesen. Als sie sechs Jahre alt war, verschwand ihr Vater. Ihre Mutter war orthodoxe Christin, kam aus Äthiopien und hat sie christlich erzogen.
Vor einigen Jahren hat Meriam einen Mann aus dem christlichen Süd-Sudan geheiratet. Das ist ein schweres Verbrechen nach der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, erklärt Berthold Pelster vom katholischen Hilfswerk Kirche in Not. Sie werde von der islamischen Gemeinschaft noch als Muslima angesehen und dürfe nicht mit einem Christen verheiratet sein. Deshalb lebe sie in einer ungültigen Ehe und das sei aus Sicht des Islam sexuelle Unzucht und werde mit 100 Peitschenhieben bestraft. Sie selbst sagt, sie sei Christin und Christen dürfen auch im Sudan gegenseitig heiraten. Doch mit dieser Aussage ist sie aus Sicht der muslimischen Gemeinschaft vom Islam abgefallen und das wird mit dem Tod bestraft.
Der Fall sorgt für Empörung auf der ganzen Welt. Die deutsche Bischofskonferenz hat die sofortige Freilassung der Frau gefordert. Der Präsident des katholischen Hilfswerks Missio München, Wolfgang Huber nennt das Urteil unmenschlich und fordert Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf, im Namen der Bundesrepublik beim sudanesischem Staatspräsidenten und Regierungschef Umar Hasan Ahmad al-Baschir die Aufhebung des Urteils zu erreichen.
Der Islambeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Rainer Oechslen, hat einen Brief an den Justiz- und Außenminister des Sudan geschrieben, in dem er die umgehende und bedingungslose Freilassung der Frau fordert. Neben Hinweisen auf völkerrechtliche Vereinbarungen fügt er ein religiöses Argument hinzu: „Im Herbst des Jahres 2007, haben einhundertachtunddreißig muslimische Gelehrte den Brief „A Common Word“ veröffentlicht, der die Liebe zu Gott und zum Nächsten als einigendes Band zwischen Christen und Muslimen bezeichnet. Ich bitte Sie von Herzen, gemäß dieser Botschaft zu verfahren, und an der Stelle eines brutalen Strafrechts den Respekt vor einer liebenden Frau und Mutter zu stellen. Damit würden Sie dem Frieden zwischen Muslimen und Christen einen großen Dienst erweisen.“
Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford Strohm nennt diesen Fall barbarisch und fordert alle Menschen auf, bei Amnesty International eine Petition zur Freilassung der Frau zu unterschreiben, und so zu zeigen: The world is watching – die Welt schaut zu, wie mit dieser Frau umgegangen wird. „Das hat sich immer wieder als sehr effektiv erwiesen und ich habe einfach aus einer spontanen Herzensbewegung sofort mitgemacht,“ erklärt der Landesbischof.
Wenn Sie auch eine Mail schreiben wollen: Hier geht’s zur Petition von Amnesty-International
Brigitte Strauß-Richters, St. Michaelsbund, uk/ Flaggenfoto: wikipedia.org, public domain