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Bayern in der Welt 02.04.2026

Fünf Lehren aus Söders Reise in die USA

Trotz der aktuell alles andere als einfachen Beziehungen zu den USA sieht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin als unverzichtbaren Partner an. «Gerade in diesen Zeiten, wo hier so vieles durcheinandergeht, ist es wichtig, Kontakte zu halten. Unser grundsätzliches Ziel ist, jenseits der Verwerfung, die das Großinternationale hat, an lokalen Netzwerken zu arbeiten», sagte der CSU-Chef nach seinem Treffen mit dem republikanischen Gouverneur Henry McMaster in Columbia (South Carolina).

Vier Tage hat Söder in den US-Bundesstaaten Texas und South Carolina verbracht. Mehr als 20 Jahre nach Edmund Stoiber (CSU) habe damit wieder ein bayerischer Ministerpräsident «im wichtigsten Land» «eine Flagge gesetzt», so Söder. Um die Hauptstadt Washington hat er dabei einen großen Bogen gemacht und anders als bei anderen Reisen hat Söder auch keinen Präsidenten oder Staatschef getroffen. Schöne Bilder gab es dennoch. Doch was konkret sind die Lehren aus Söders Reise?

1. Bayerns Raumfahrtstrategie wirkt bis in die USA

2018 wurde Söder für seine «Bavaria One»-Idee vielfach belächelt, doch längst wird das Engagement des Freistaats gar von der NASA geschätzt. Die Zusammenarbeit mit den Amerikanern soll noch weiter intensiviert werden, etwa mit dem Mondkontrollzentrum am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. 

Zudem soll es ein neues Forschungsprojekt geben, wo beide Seiten gemeinsam die Steuerung von Raumfahrzeugen auch ohne dauernde Bodenkommunikation, also selbstständiges Operieren mit Künstlicher Intelligenz im Weltall, verbessern wollen. «Alles, was bei uns stattfindet, schafft Arbeitsplätze», sagte Söder.

Wirtschaftlich zahlen sich die Investitionen bereits jetzt aus: Bis 2030 gibt der Freistaat rund eine Milliarde Euro - dafür hat die Branche in Bayern schon zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 40.000 Beschäftigte. 

2. Bayerns Kultus ist weiterhin in den USA gefragt

Es mag zunächst nur ein weiteres Hofbräuhaus sein, welches ab Herbst in Texas seine Pforten öffnet - der Effekt in den USA geht aber über das Bier hinaus. Bayerns Kultur und Brauchtum sind damit an einer weiteren Stelle in den USA verankert, das zeigte sich auch in Houston, wo Söder den dortigen «Sängerbund» besuchte und auf viele Männer in Lederhosen und Frauen in Dirndln traf. In Zeiten, wo sich die USA mit ihrem Protektionismus von Europa abwenden, kommt Bayerns Bier-Botschafter bei den Menschen gut an. Ähnlich äußerten sich in Houston auch dort seit Jahrzehnten ansässige Deutsche - es sei wichtiger denn je, Brücken zu bauen. 

Ohnehin haben viele Amerikaner eine direkte Verbindung zu Deutschland - bei der letzten Volkszählung gaben 44 Millionen eine entsprechende Verbindung oder Abstammung an. Ganz nebenbei wird das neue Hofbräuhaus auch mehr Umsatz generieren - das kommt dem Staatshaushalt direkt zugute. 

3. BMW braucht die USA - Bayern braucht BMW

«Geht es BMW gut, geht es Bayern gut», sagte Söder zum designierten neuen BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković in der weltgrößten Fabrik des bayerischen Autobauers in Spartanburg (South Carolina). Deshalb setzt sich Söder nicht nur für eine vollständige Abkehr vom anstehenden Verbrenner-Verbot in der EU ein und kritisiert die US-Zölle, sondern empfiehlt auch dringend Kanzler Friedrich Merz (CDU) einen Besuch bei BMW in den USA. 

Das Werk mit seinen mehr als 11.000 Mitarbeitern hilft BMW nicht nur dabei, in den USA zu produzieren und damit den Zöllen zumindest teilweise zu entgehen - von hier aus exportiert der Autobauer auch Autos in andere Länder der Welt. Nedeljković betonte, dass somit auch die deutschen Standorte von der Produktion in den USA profitierten.

4. Regionale Netzwerke weltweit für Bayern wichtig

Bayern will laut Söder seine Auslandsstrategie wegen der sich stetig ändernden großpolitischen Lage verändern: In der nächsten Zeit sollen sich dazu die Auslandsrepräsentanzen «strategischer, mehr auf Wirtschaft und Wissenschaft» ausrichten. «Wir suchen weitere Powerregionen, um uns dort zu verstärken.» In den USA habe man den Bundesstaat South Carolina als eine solche Region identifiziert. Und deshalb auch bei der Reise eine engere Zusammenarbeit der Hochschulen vereinbart. Bayern hat weltweit seine Repräsentanzen verteilt - mit Ausnahme von Australien auf allen Kontinenten.

5. Fernab von Washington freuen sich Amerikaner über Besucher

Wer vor der Reise glaubte, die Menschen würden sich Besuchern ähnlich skeptisch und kritisch gegenüber verhalten, wie es US-Präsident Donald Trump gerne im Weißen Haus praktiziert, der wurde eines Besseren belehrt: Offen, freundlich und sehr interessiert wurde Söders Delegation allerorts empfangen. Das galt für Gouverneur McMaster ebenso wie für Wissenschaftler, Astronauten und Unternehmer.

Quelle: dpa

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